Kinoklub Spezial – Abahlali //Monday 30th May at 20:00 @ BOEM* Gallery

Amandla Awethu – Die Macht den Armen

Das Ende des Apartheid-Regimes 1994 brachte zwar den ANC an die Macht, für die Millionen BewohnerInnen der townships, der südafrikanischen Slums, änderte sich wenig. Sie haben weiterhin keinen Zugang zu Strom, Wasser, Sanitäranlagen, Gesundheitsversorgung, Bildung und Erwerbsmöglichkeiten. Die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 hat die Situation nur noch weiter verschärft. Informelle StraßenhändlerInnen wurden von ihren Standplätzen vertrieben, die Städte „gesäubert“, tausende in sogenannte Transitlager (das sind Wellblechsiedlungen außerhalb der großen Städte) zwangsabgeschoben. Gegen diese Bedingungen organisieren sich seit Jahren die BewohnerInnen der nun informelle Siedlungen genannten Slums. Die größte derartige Bewegung ist Abahlali baseMjondolo. Zwei ihrer Vertreter, Mazwi Nzimande und Mnikelo Ndabankulu, besuchen Ende Mai Wien und werden über die Geschichte, die Lebensbedingungen und den Kampf der Armen berichten.

Veranstaltungen:

im Ernst Kirchweger-Haus, 1100 Wien, Wielandgassse 2 – 4:

Am Donnerstag, 26.5.2011, 20 Uhr zeigen wir im EKH Dokumentationsfilme über Abahlali, über den Kampf der Siedlung Hangberg gegen Zwangsräumungen und über die Situation der StraßenhändlerInnen. Alle Filme werden mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Am Sonntag, 29.5.2011, nachmittags werden die südafrikanischen Genossen im EKH über die Bewegung berichten, anschließend gibt es die Gelegenheit, mit ihnen in entspannter Atmosphäre bei gutem Essen zu diskutieren.

im BOEM*, 1160 Wien, Koppstraße 26:

Am Montag, 30.5.2011, ab 20 Uhr wiederholen wir die Dokumentation über Abahlali im BOEM* im Rahmen eines Kino-Spezial-Abends mit anschließendem Vortrag der südafrikanischen Genossen und hoffentlich spannenden Diskussionen. (siehe auch http://kinoklub.blogsport.eu)

Informationen zu Abahlali findet ihr im Internet unter www.abahlali.org (in englisch) und auf www.akkrise.wordpress.com (deutsche Übersetzungen).

Abahlali baseMjondolo

wurde 2005 in der informellen Siedlung Kennedy Road in Durban, Südafrika gegründet. Es geschah, als einige Caterpillars Land einebneten, da sagten die Leute: „Oh Gott, endlich! Seit 1994 wurden uns Wohnhäuser versprochen, hier endlich beginnt der Hausbau.“ Der Caterpillarfahrer sagte: „Nein“, er arbeitete für eine private Firma, die eine große Industrieanlage baute, gleich neben der informellen Siedlung. Die Leute waren frustriert und sagten: „Das ist unser Land, es wurde uns vom Staat versprochen, für Wohnraum!“ Sie begannen, die Straße mit brennenden Reifen zu blockieren, und an die 40 Leute wurden verhaftet. Dann begannen wir, communities zu mobilisieren, weil es eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen den Siedlungen gibt, wir begannen, organisiert die Verfassung zu lesen. Und so bewegte sich die Bewegung jeden Tag weiter. (Mnikelo Ndabankulu)

Innerhalb weniger Jahre wurden in mehreren dutzend informellen Siedlungen Zweigstellen von Abahlali gegründet, inzwischen hat die Bewegung ca. 20.000 Mitglieder und ist die größte Organisation der Armen weltweit. Sie kämpft gegen Zwangsräumungen, Zwangsumsiedlungen, Strom- und Wasserabschaltungen und für Sanitäranlagen, Bildungsmöglichkeiten, Krankenbetreuung und Erwerbsmöglichkeiten in den Siedlungen, wobei alle Beschlüsse von der Basis gefasst werden. Abahlali betreibt eine eigene Universität, Kinderkrippen, Gesundheitsstationen und arbeitet in der Allianz der Armen mit anderen Organisationen der SlumbewohnerInnen, der Landlosen und der KleinhändlerInnen zusammen. Sie kämpfen auf der Straße, aber auch vor dem Verfassungsgericht um ihre Rechte. Im September 2009 wurde Abahlali in der Siedlung Kennedy Road von bewaffneten Banden, die vom lokalen ANC und der Polizei unterstützt wurden, angegriffen. Zwei Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt, hunderte Abahalali-Mitglieder, unter ihnen die gesamte Führung, mussten wegen Todesdrohungen fliehen und lebten monatelang im Untergrund. Zwölf Bewohner von Kennedy Road stehen aktuell in Durban wegen dieses Überfalls vor Gericht – die Opfer sollen als Täter verurteilt werden.

Mazwi Nzimande

wurde 1991 in Umzinto in KwaZulu-Natal geboren und kam mit sechs Jahren in die informelle Siedlung Joe Slovo in Kapstadt. Seine Eltern waren an der Gründung dieser Siedlung beteiligt und sind beide HausarbeiterInnen. An der Abahlali-Universität wurde Mazwi zum Volkselektriker ausgebildet und hat an der Herstellung von Zugang zum Stromnetz in den Siedlungen Joe Slovo (1) und Pemary Ridge mitgearbeitet. Seit Juni 2008 ist er Vorsitzender der Abahlali-Jugendliga.

Die Jugendliga ist wichtig, denn alle reden von Redefreiheit, aber wir als Jugendliche, als arme Jugendliche, wollten wissen: welche Qualifikationen brauchen wir, um in dieser Gesellschaft frei sprechen zu können? Uns war klar, dass es sich dabei um ein Recht der Reichen handelt, nicht der Armen, nicht für uns. Deshalb haben wir uns diese Freiheit genommen. Wir treffen uns und diskutieren frei. Nun ist die Redefreiheit für uns verwirklicht. Als organisierte Jugendliche haben wir uns nicht nur den Raum verschafft, in dem wir frei miteinander umgehen können. Wir werden jetzt respektiert. Auch die Älteren hören uns zu. Mein Leben hat sich mit der Jugendliga sehr verändert.

Der wichtigste Punkt bezüglich Abahlali baseMjondolo für mich ist, dass es die einzige Bewegung ist, die ich kenne, die ein Manifest hat, das von den Menschen geschrieben wurde, nicht von einem Individuum oder einer NGO. Alle, die bereit sind, gegen Armut zu kämpfen, sind willkommen. Egal wer du bist. Wir rekruitieren keine Mitglieder. Die Leute kommen zu uns. Tatsächlich rekrutiert die Regierung für uns. (Mazwi Nzimande)

Mnikelo Ndabankulu

wurde 1984 in Flagstaff in Ostkap geboren, schon sein Großvater, Chief Babini, kämpfte gegen die die irfahu-Steuer der Apartheid-Regierung. Diese Auseinandersetzung in Ingquza Hill 1960, bei dem die Menschen mit Steinen gegen Hubschrauber kämpften, wurde von den „einfachen Leuten“ geführt, auch wenn der ANC nun behauptet, dass er den Kampf geführt hat. 2004 übersiedelte er in die informelle Siedlung Foreman Road in Durban.

Als ich in Foreman Road ankam, war ich ANC-Mitglied, kam aus einer ANC-Familie, ging zu ANC-Meetings. Aber sprechen durfte ich dort nicht, Politik war den Alten vorbehalten. Aber Abahlali baseMjondolo akzeptierte mich und wählte mich zu ihrem ersten Sprecher. Abahlali hat mir die Augen geöffnet. Ohne die Bewegung würde ich immer noch glauben, das Internet gehört nur den Reichen. Auf die Uni wäre ich bloß zum Rasenmähen gekommen. Heute gehe ich hin, diskutiere, manchmal boykottiere ich, das ist meine Entscheidung. Wir brauchen Strom zum leben, deshalb ist die Herstellung von Stromanschlüssen kein Verbrechen, auch wenn wir dafür verhaftet werden. Auch wenn wir hart gegen die Regierung kämpfen, sie ist nicht unser Feind. Wir setzen uns gerne hin und verhandeln mit jeder Regierung. Wir hassen die Leute nicht. Wir hassen unterdrückerische Aktionen. Wir hassen unterdrückerische Strukturen. Wir wollen freien Zugang zu Strom, freies Wohnen in den Städten, und überall Bibliotheken, mit freien Zeitungen, Büchern, Musik und Internet. Wir unterstützen alle, die unsere Forderungen unterstützen. Wir kämpfen nicht um Ruhm. Was uns stolz macht ist die Verwirklichung der Rechte unseres Volkes. (Mnikelo Ndabankulu)

Veranstaltet von akkrise, EKH und BOEM*

(1) Joe Slovo emigrierte 1935 mit seinen Eltern aus Litauen nach Südafrika, um dem Antisemitismus in Litauen zu entgehen. Er schloss sich später der Südafrikanischen Kommunistischen Partei (SACP) an, studierte Rechtswissenschaft in Johannesburg und arbeitete maßgeblich an der Formulierung der Freedom Charter des ANC 1954 mit. Deswegen wurde er 1956 verhaftet, die Anklage wurde aber später fallengelassen. 1961 gehörte er zu den Mitbegründern von Umkhonto We Sizwe (dem militanten Flügel des ANC), 1963 floh er aus Südafrika, lebte eine Zeit in London, danach im südlichen Afrika. Slovo war einer der wichtigsten Anführer der weißen Bevölkerungsgruppe gegen die Apartheid. 1984 wurde er Vorsitzender der SACP, 1985 erster Weißer im obersten Gremium des ANC. Nach der Amnestie 1990 kehrte Slovo nach Südafrika zurück, war ab 1991 Vorsitzender der SACP und ab 1994 Wohnungsbauminister in der ersten Post-Apartheid-Regierung Südafrikas. Er starb im Jänner 1995.